Tutima Hommage Minutenrepetition – Eine Hommage an Glashütte

Am 12. Mai 2011 präsentierte Tutima eine neue Komplikationsuhr, die in dieser technischen Authentizität noch niemals zuvor in Glashütte verwirklicht wurde. Nach dreijähriger Vorbereitungszeit feiert Tutima die offizielle Wiederaufnahme des Manufakturbetriebs in Glashütte mit einem ganz besonderen Meisterstück aus eigener Fertigung:

Einer Minutenrepetition.


Tutima Hommage Minutenrepetition in Platin

Eine Minutenrepetition zeigt die Uhrzeit mittels akustischer Tonsignale an. Vom Zeigerwerk übernimmt der Mechanismus die Informationen über die aktuelle Uhrzeit. Über einen Schieber an der Gehäuseflanke wird der Repetiermechanismus ausgelöst und gleichzeitig mit Energie versorgt:

Die Bewegung spannt eine separate Feder, damit der Kraftbedarf der Schlagwerkhämmer nicht das Uhrwerk belastet. Zwei Tonfedern, die eine hell gestimmt, die andere mit einem tieferen Klang, zählen die seit Mittag bzw. Mitternacht verstrichenen Stunden, Viertelstunden und Minuten herunter. Die Stunden werden mit tiefem Klang angezählt. Es folgen die Viertelstunden mit einem Doppelschlag (hoch-tief) und schließlich die Minuten mit hohen Einzeltönen. Eine besondere Schwierigkeit liegt in der Einhaltung eines regelmäßigen Schlagrhythmus’, der nur durch den penibel einregulierten Kräftehaushalt sämtlicher in Bewegung befindlicher Komponenten erzielt wird.

Es hat in der über 165-jährigen Geschichte der Uhrmacherei in Glashütte schon manche Taschenuhr mit Viertel- oder Minutenrepetition gegeben, doch niemals zuvor wurde der Repetiermechanismus vor Ort konstruiert und entwickelt. Stets verwendeten die Glashütter Uhrmacher zugekaufte Schweizer Rohwerke („Ebauches“) aus dem Vallée de Joux, die sie dann nach ihren Erfordernissen terminierten und dekorierten.
Die Tutima Hommage ist die erste echte Glashütter Minutenrepetition.


Tutima Glashütte Produktion

Schon bei den ersten Planungen der Hommage stand zweifelsfrei fest, dass die optische Gestaltung klar an die Blütezeit der Glashütter Uhrmacherei zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelehnt sein soll. Dies gilt besonders für die Werkgestaltung die bewusst traditionell und schlicht gehalten ist.

Das massiv goldene Zifferblatt der Hommage Minutenrepetition verrät nichts über ihr hoch kompliziertes Innenleben. Zurückhaltend und elegant zeigt es Stunden und Minuten sowie in einem ungewöhnlich großen exzentrischen Skalenkreis bei der „6“ eine Kleine Sekunde. Die zweiteiligen Zeiger sind von Hand gefertigte und in liebevoller Detailarbeit vollendete Unikate aus massivem Gold oder poliertem Stahl.


Hommage Kaliber 800

Durch den Glasboden hat man einen unverstellten Blick auf das fein finissierte Uhrwerk mit seiner markanten „Dreiviertelplatine“, wie sie im 19. Jahrhundert für Glashütter Taschenuhren typisch war. Ihre große Fläche ist nach alter Väter Sitte matt vergoldet, wobei die ebenmäßige, feinkörnige Struktur sehr viel schwieriger zu erzielen ist als weitläufig verwendete Zierschliffe. Sämtliche Lagerrubine sind in versenkten und verschraubten Goldchâtons gefasst. Die beiden Aufzugsräder sind mit dem klassischen Glashütter Sonnenschliff versehen und verfügen über ein spezielles Gesperr mit anmutig geschwungenen Stahlfedern. Das Steigrad des Schlagwerks ist in einem in die Platine versenkten Stahlkäfig gelagert, der wie alle blanken Uhrwerkteile mit auf Zinn spiegelpolierten Flächen und messerscharfen Anglierungen glänzt.

Der Unruhkloben und die Federhausabdeckung des Schlagwerks tragen eine von Hand aufgebrachte Reliefgravur in Form eines Notenschlüssels und Noten. Die mit 14 Goldgewichtsschrauben und vier Regulierschrauben bestückte Unruh schwingt mit einer Frequenz von 21.600 A/h (Halbschwingungen pro Stunde) und ist mit einer frei schwingenden Breguet-Spirale mit spezieller Endkurve bestückt. Die Gewinde-bohrungen im Unruhreif sind bewusst etwas zu eng ausgeführt und längs geschlitzt, so dass sie die Regulierschrauben federnd umfassen und gegen Verdrehen sichern.

Einen Blickfang besonderer Art stellen die beiden spiegelpolierten Schlagwerkhämmer dar, die im Rhythmus die Tonfedern anschlagen. Zur Verbesserung von Klangfülle und -reinheit sind die Tonfedern nicht – wie sonst üblich – am Uhrwerk, sondern am Uhrengehäuse befestigt. Dank sorgfältigster Stimmung erklingen die beiden aus einer speziellen Legierung gefertigten Tonfedern besonders harmonisch.

Insgesamt besteht das Uhrwerk der Tutima Hommage Minutenrepetition aus über 550 Teilen, die dem Auge des Betrachters jedoch größtenteils verborgen bleiben. Bei den Varianten mit schmalem Zifferblattring kommen die architektonische Gestaltung und die ästhetische Finissage der Repetitions-Kadratur hingegen gut zur Geltung.


Stahlanker mit bombierten Paletten

Sämtliche Hebel, Federn, Rechen und Staffeln sind aufwendig von Hand angliert und ihre Oberflächen nach den besten Vorbildern der Uhrmacherkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf Zinnplatten von Hand auf Hochglanz poliert. Die vergoldeten Räder besitzen in ihrem Zentrum eine mit dem Diamantstichel ausgedrehte Fläche, den so genannten „Spiegel“. Jede Befestigung von Stahlfedern oder Kloben verfügt über zwei gehärtete und polierte Stellstifte, und natürlich sind die Kanten der entsprechenden Fixierbohrungen – wie bei sämtlichen Bohrungen in der Platine – sorgfältig gebrochen und poliert. Die Köpfe aller Schrauben sind ebenfalls poliert (und nicht etwa gebläut) und tragen sowohl im Schlitz als auch am Umfang eine scharf gezogene Anglierung. Selbst der filigrane gehärtete Stahlanker ist an allen Kanten minutiös von Hand nachgearbeitet, und die Ankerpaletten aus synthetischem Rubin verfügen über sanft bombierte und polierte Oberflächen. Eine derartige Detailarbeit hat man seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr zu Gesicht bekommen.


Polieren auf Zinn

Neben der Zeit war Musik eine Leidenschaft von Dr. Ernst Kurtz, dem Begründer der Marke Tutima. Er legte Wert darauf, dass all seine Uhrmacherlehrlinge ein Musikinstrument erlernten. Dieser Musikunterricht gehörte zum Angebot der Firma. Nach seiner Philosophie schult die musische Ausbildung den virtuosen Umgang mit der Technik und die Hingabe zur feinen Mechanik der Uhr. Bald war das Orchester von Tutima so bekannt, dass es Konzerte in der ganzen Region und Dresden gab. Diese Leidenschaft von Dr. Kurtz für die Musik war der Ansporn für die Entwicklung der Minutenrepetition.

Mit weniger als einer außergewöhnlichen Komplikationsuhr hätte sich Tutima-Patron Dieter Delecate keinesfalls zufrieden gegeben. Schließlich geht es bei der „Hommage“ um mehr als nur die Heimkehr der Marke Tutima nach Glashütte. In gewisser Weise ist die Uhr auch eine Verneigung vor Dr. Ernst Kurz, der seine Nachkriegs-Karriere in Westdeutschland stets als eine Zeit im Exil betrachtet hatte.

Wenn es um komplizierte Uhren ging, hatte der Begründer der industriellen Uhrenfertigung in Glashütte auch eine sentimentale Seite. Noch einmal in Glashütte eine Uhr bauen, nach alter Väter Sitte, ohne Rücksicht auf Kosten und konstruktiven Aufwand, das hätte ihm sicher gefallen. Und er wäre zweifelsohne sehr stolz darauf gewesen, eine Minutenrepetition aus eigener Konstruktion und Fertigung realisiert zu haben.


Hommage Kaliber 800

Text und Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der TUTIMA GmbH

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